Einer Ausschreibung der European High Performance Computing Joint Undertaking (EuroHPC JU) folgend wird HPE einen KI-optimierten Supercomputer für die AI Factory HammerHAI am Höchstleistungsrechenzentrum der Universität Stuttgart (HLRS) bereitstellen. HammerHAI ist der erste neue, eigenständige Supercomputer, der von der EuroHPC JU als AI Factory System beschafft wird. Der Großrechner wird leistungsstarke Funktionen für künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und Datenverarbeitung bieten und damit die europäische Wissenschaft, Industrie, kleine und mittlere Unternehmen und Start-ups stärken.
Der HammerHAI-Supercomputer wird von HPE auf Basis der flüssigkeitsgekühlten NVIDIA GB200 NVL4-Architektur hergestellt und installiert. Das System
NVIDIA GB200 NVL4 by HPE wird NVIDIA Grace-CPUs mit NVIDIA Blackwell-GPUs kombinieren und mit NVIDIA Quantum-X800 InfiniBand Networking skalieren, was zu einer KI-Inferenzleistung von mehr als 15 Exaflops führt. Für die Speicherarchitektur des Supercomputers wird auf eine VAST Data DASE zurückgegriffen, die eine einheitliche Datenplattform für KI- und HPC-Workloads bietet. Das System wird eine Partition auf Basis von KI-optimierten Inferenz-Engines und Hardware-Beschleunigern des niederländischen Unternehmens Axelera AI enthalten. Die HPE Morpheus Enterprise-Software wird als einheitliche KI-Steuerungsebene eingesetzt und ermöglicht automatisierte Bereitstellung, Governance und Workload-Lebenszyklusmanagement.
Diese Konfiguration macht den HammerHAI-Supercomputer zu einem leistungsstarken Werkzeug für die Verarbeitung mittlerer bis großer KI-Workloads für maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz. Er wird einen Cloud-nativen Software-Stack enthalten, der der KI-Community vertraut ist, sodass Anwendungen von lokalen Systemen oder kommerziellen Cloud-Umgebungen einfach migriert oder skaliert werden können. Das System wird so konfiguriert, dass es die Forschung und Technologieentwicklung mit Schwerpunkt auf dem Ingenieurwesen, der Fertigung, Automobilindustrie und Mobilität unterstützt.
Die Lieferung des HammerHAI-Supercomputers ist für das zweite Quartal 2026 geplant. In der zweiten Hälfte des Jahres 2026 soll er in Betrieb genommen werden.
KI-Infrastruktur für die digitale Souveränität Europas
Der HammerHAI-Supercomputer gehört zu den ersten KI-optimierten Systemen, die für die sogenannten „AI Factories“ beschafft werden. Die Vertragsunterzeichnung ist Teil der KI-Strategie der EuroHPC JU. Der leistungsstarke KI-Supercomputer wird vergleichbare KI-Anwendungen wie kommerzielle Cloud-basierte Anbieter unterstützen und in einem in Deutschland ansässigen System betrieben, das den Anforderungen der EU-Datenschutzbestimmungen entspricht. Der Zugang zu dieser öffentlich finanzierten Ressource wird für berechtigte Systemnutzer:innen kostenlos sein.
Anders Dam Jensen, Exekutivdirektor der EuroHPC JU, erklärt: „Die heutige Unterzeichnung markiert einen neuen Schritt in Richtung eines dynamischen europäischen KI-Ökosystems. Mithilfe des HammerHAI-Supercomputers können europäische Start-ups und die Industrie künftig Innovationen in großem Maßstab vorantreiben und gleichzeitig die digitale Souveränität und technologische Führungsrolle Europas stärken.“
Petra Olschowski, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, sagt: „Mit der KI-Fabrik HammerHAI bündeln das HLRS und seine Partner ihre Ressourcen und Kompetenzen entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette, um den wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt in Baden-Württemberg und darüber hinaus gezielt voranzutreiben. HammerHAI gestaltet damit unsere KI-Landschaft aktiv mit und stärkt zugleich Europas Innovationskraft und technologische Souveränität.“
„Damit bietet die KI-Fabrik HammerHAI eine leistungsstarke Infrastruktur für künstliche Intelligenz am Standort Stuttgart, die weit über das Innovationsökosystem des HLRS an der Universität Stuttgart hinaus der Forschung und Wirtschaft gleichermaßen Nutzen bringt. Mit dem neuen Supercomputer stellen wir die Weichen, um ein zentraler Eckpfeiler des KI-Ökosystems in Europa zu werden“, erklärt Prof. Peter Middendorf, Rektor der Universität Stuttgart.
„HammerHAI verbindet digitale Souveränität, energieeffiziente Infrastruktur und Expertenwissen, um aus Industriedaten Wettbewerbsvorteile zu schaffen“, sagt Damien Déclat, HPE-Vizepräsident und Geschäftsführer für Hochleistungsrechner und KI in Europa, Nahost, Afrika und Lateinamerika. „Wir freuen uns, diese Mission mit einem KI-optimierten Supercomputer zu unterstützen, den wir gemeinsam mit NVIDIA entwickelt haben, damit sich KI schnell einführen und skalieren lässt.“
Neuer KI-optimierter Supercomputer für ein wachsendes HammerHAI-Serviceportfolio
Die AI Factory HammerHAI besteht seit April 2025 und bietet europäischen Start-ups und KMUs bereits KI-Computing und -Services auf bestehender Infrastruktur an. Dazu gehören:
- Testzugang zu KI-optimierten Computersystemen, die derzeit von HammerHAI-Konsortialpartnern gehostet werden
- Umfassende Unterstützung vonseiten HammerHAI-KI-Expert:innen, u.a. Beratung zu relevanten Tools, Services und Fachwissen
- Zugang zu Inferenzdiensten für große Sprachmodelle
- Professionelle Schulungen zur Entwicklung von KI-Kompetenzen
- Beratung und Unterstützung bei der Einführung von KI, einschließlich Bewertung der KI-Fähigkeiten und Beratung zu KI-Ethik und Risikomanagement
Dr. Bastian Koller, Geschäftsführer des HLRS und Koordinator von HammerHAI, geht davon aus, dass sich mit dieser Ankündigung die Aktivitäten schnell erweitern und verstärken lassen: „Die Vertragsunterzeichnung für dieses KI-optimierte System markiert einen neuen Abschnitt in der Entwicklung von HammerHAI. Wir laden zukünftige Nutzer:innen des Systems ein, bereits jetzt mit der Vorbereitung ihrer Datensätze, Algorithmen und Workflows zu beginnen. So können sie die leistungsstarken Funktionen des Systems nutzen, sobald es verfügbar ist.“ (Unternehmen, Start-ups und Forscher:innen können sich an HammerHAI wenden, um frühzeitig Rechenzeit zu beantragen.)
Der HammerHAI-Supercomputer ist in erster Linie auf Start-ups und KMU ausgerichtet, wird aber auch zur Entwicklung neuer KI-Anwendungen, für maschinelles Lernen und Datenverarbeitung in der Wissenschaft genutzt werden. Die EuroHPC JU und HammerHAI werden den Zugang zu den Rechenressourcen (basierend auf einem nationalen Governance-Modell) gemeinsam und proportional zu ihren jeweiligen Investitionen zuweisen.
Weitere Details
Die EuroHPC JU wählte HammerHAI (Hybrid and Advanced Machine Learning Platform for Manufacturing, Engineering, and Research) im Dezember 2024 als erste AI Factory Deutschlands aus. Eine zweite deutsche AI Factory, JAIF, wird vom Jülich Supercomputing Centre betrieben und basiert auf JUPITER, Europas ersten Exascale-Supercomputer und einer experimentellen Plattform als Erweiterung.
Seitdem ist das Netzwerk auf 19 AI Factories und 13 AI Factory Antennas in ganz Europa angewachsen, die Recheninfrastruktur, technischen Support und Schulungsmöglichkeiten für Europa bereitstellen, um die globale Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents zu fördern.
Das HLRS koordiniert HammerHAI und arbeitet im Konsortium mit der Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung mbH Göttingen, dem Leibniz-Rechenzentrum, dem Karlsruher Institut für Technologie und SICOS BW zusammen.
HammerHAI ist außerdem eine Partnerschaft mit der UK AI Factory Antenna (UKAIFA) eingegangen, die ihren Sitz am EPCC in Edinburgh hat. Diese Partnerschaft baut auf einer langen Geschichte der Zusammenarbeit zwischen HLRS und EPCC auf, einschließlich ergänzender Fachkenntnisse bei der Bereitstellung von HPC-Diensten für Wissenschaft und Industrie.
HPE wurde nach einer im April 2025 veröffentlichten Ausschreibung für die Herstellung und Lieferung des HammerHAI-Supercomputers ausgewählt.
Für die Beschaffung, Lieferung, Installation und Wartung des neuen Supercomputers wurden insgesamt 55 Millionen Euro veranschlagt. Die EuroHPC JU wird 50 % der Gesamtkosten aus Mitteln des Programms „Digitales Europa” (DEP) finanzieren, während die anderen 50 % vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg getragen werden.
Das HammerHAI Projekt wird von der Europäischen Kommission, dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur kofinanziert.
Über die EuroHPC Joint Undertaking
Die EuroHPC Joint Undertaking ist eine Rechts- und Finanzierungseinrichtung, in der die Europäische Union und die teilnehmenden Länder ihre Kräfte bündeln und ihre Ressourcen zusammenlegen, um Europa zu einem weltweit führenden Standort im Bereich Supercomputing zu machen.
Um Europa mit einer hochmodernen Supercomputing-Infrastruktur auszustatten, hat die EuroHPC JU bereits zwölf Supercomputer angeschafft, die über ganz Europa verteilt sind. Dazu gehören JUPITER in Deutschland und Alice Recoque in Frankreich, die ersten Exascale-Systeme Europas.
Europäische Wissenschaftler:innen und Nutzer:innen aus dem öffentlichen Sektor und der Industrie können über die EuroHPC Access Calls von den EuroHPC-Supercomputern profitieren, unabhängig davon, wo in Europa sie sich befinden. Das Ziel dieser Calls ist es, die Wissenschaft voranzubringen und die Entwicklung von Anwendungen mit industrieller, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz für Europa zu unterstützen.
Darüber hinaus baut die EuroHPC JU eine europäische Quantencomputer-Infrastruktur auf, die verschiedene europäische Quantencomputertechnologien mit bestehenden Supercomputern verknüpft.
Die EuroHPC JU finanziert Forschungs- und Innovationsprojekte zur Entwicklung einer vollständigen europäischen Supercomputing-Lieferkette. Dazu gehören Prozessoren und Software, Anwendungen, die auf diesen Supercomputern ausgeführt werden sollen, sowie Know-how zur Entwicklung einer starken europäischen HPC-Kompetenz.
Mit der kürzlich erfolgten Verabschiedung der Verordnung (EU) 2026/150 des Rates wurde das Mandat der EuroHPC JU um Aktionsbereiche erweitert, die sich dem Aufbau von KI-Gigafabriken in ganz Europa und der Weiterentwicklung von Quantentechnologien widmen.
Über das HammerHAI-Projekt
HammerHAI, als erste AI Factory Deutschlands etabliert, bietet sichere, skalierbare KI-Ressourcen für Startups, KMU, große Unternehmen und wissenschaftliche Institutionen, die leistungsstarke Rechenkapazitäten für KI-gesteuerte Lösungen benötigen. Besonders im Fokus stehen die Bedürfnisse der Industrie, Fertigung und Ingenieurwissenschaften. HammerHAI bietet einen KI-optimierten Supercomputer für Training und Inferenz sowie ein Expertenteam, das personalisierte Unterstützung für KI-Nutzer:innen in allen Phasen des KI-Lebenszyklus bietet. Es werden Beratungsdienste und professionelle Weiterbildungen angeboten und mit anderen KI-Initiativen zusammengearbeitet, um die Einführung von KI in Europa zu beschleunigen.
HammerHAI wird von der European High Performance Computing Joint Undertaking im Rahmen der Fördervereinbarung Nr. 101234027 gefördert. Es wird von der Europäischen Kommission, dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur kofinanziert.
Pressekontakt
Sophia Honisch, Universität Stuttgart, Höchstleistungsrechenzentrum (HLRS),
Tel.: +49 (0) 711 / 685-68038, honisch@hlrs.de







